Die ersten Schritte

Ich treffe Sabine und Tanja das erste Mal im evangelischen Gemeindehaus. Es ist abends und beide haben sich bei einer Sitzung des Kirchenvorstandes vorgestellt.  „Wir wollen ein Cafe machen“, sagen sie,  „ein Cafe für alle.“ 

„Unsere Kinder sind pumperlgsund, aber…“ sagt Sabine

„Sie sind anders als die meisten anderen Menschen und brauchen deshalb auch andere Sachen als die meisten anderen Menschen. Das ist weder gut noch schlecht, das ist weder ein Vorteil noch ein Nachteil, das ist erstmal einfach so.“

„Menschen mit Beeinträchtigungen –  sie gab es schon immer und es soll sie auch immer geben. Sie sind geliebte Töchter und Söhne, geschätzte Schwester und Brüder – wir wollen, dass sie auch gebrauchte Arbeitnehmer werden können. Wir wollen der Welt zeigen, was möglich ist und vor allem wie.“ 

„Sie brauchen eine bestimmte Anleitung, dann können sie handeln. Sie brauchen Wiederholung und Routine, dann können sie sich entfalten und mit ihrer liebenswerten Art auch zu wertvollen Mitarbeitern werden.“

Ist das zu viel verlangt? Hört man nicht von allen Seiten, dass man sich abfinden sollte mit dem, was es gibt? 

„Nein“, sagen Sabine und Tanja, „manchmal muss man auch Dinge wagen und Grenzen sprengen – nur so geht es weiter. Wenn jeder nur das macht, was es gibt, dann gibt es nie etwas Neues, dann steht alles still.“

So nehmen die beiden Mütter die Sache selbst in die Hand und treffen sich mit dem Pfarrer Johannes Schultheiß aus Bad Heilbrunn. Er ist begeistert und die Dinge nehmen ihren Lauf. 

Ab Dezember soll es losgehen – ein Team aus mehreren Heranwachsenden sollen angeleitet werden und ein Cafe führen. Tische eindecken, Gäste begrüßen, Kaffee kochen – ein Ort des Miteinanders soll entstehen dort am Donnerstag Vormittag im evangelischen Gemeindehaus in Bad Tölz. Ein Ort des Ausprobieren, ein Ort, an dem man sieht, was möglich sein kann. 

Eine Spielecke für Kinder, eine Leseecke für Erwachsene, kein Stress mit dem Parken der im Oberland üblichen Familienautos. Vorteile für alle. 

Mein Name ist Sabine Rest und ich bin  nur eine Pfarramtsekretärin in Vertretung, ich habe eigentlich gar nichts damit zu tun – ich bin keine sogenannte betroffene Mutter noch bin ich ehrenamtlich für dieses Projekt irgendwie prädestiniert. Aber auch ich bin eine Mutter, die sich wünscht, dass ihre eigenen Kindern eine Heimat in der Welt findet und ich weiß, was man mit der Liebe zu Kindern alles in Bewegung setzen kann. Deswegen gibt es diesen Internetauftritt. Ich möchte dieses Projekt begleiten und beschreiben. 

Es wird deswegen hier ein kleines Tagebuch entstehen, dass mit dem Projekt wachsen soll. Die Menschen in Bad Tölz sollen sich eingeladen fühlen, zu kommen und ich möchte ihnen die Scheu nehmen. 

Im Moment wird an der Eröffnung gearbeitet. Die Mütter wollen mit den Kindern Testläufe machen. Alles aufbauen, Abläufe im realen Umfeld üben. „Allein, dass die Gäste angeschaut und begrüßt werden, ist ein Punkt, an dem wir arbeiten.“ sagt Tanja. „Aber, wenn man Menschen mit Besonderheit nur in Watte einpackt, dann können sie auch nicht wachsen. Dass ist wie eingesperrt sein – behütet, aber eingesperrt.“ 

Ab Dezember soll es losgehen und ich spüre die positive Aufgeregtheit. „Werden Besucher kommen? Schaffen wir es bis dahin, alles zu organisieren? Sind unsere Träume zu groß?“ Sabine und Tanja rennen in der evangelischen Kirchengemeinde offene Türen ein und freuen sich über die Möglichkeit. Jetzt liegt es an ihnen. Und an uns allen. 

Der Anfang ist gemacht. 

 

Sabine Rest